Gastbeitrag: Medikamente im Trinkwasser

Medikamente im TrinkwasserNeben Abwässer aus Industrie und Landwirtschaft werden auch nicht richtige entsorgte Medikamente immer mehr zu einem Problem. In Deutschland werden immer mehr Medikamente verschrieben. Nach eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der Krankenkasse AOK nimmt jeder der rund 70 Millionen Versicherten durchschnittlich täglich 1,5 Medikamente zu sich. Das sind 100 Millionen pro Tag. Doch nicht sämtliche Inhaltsstoffe der Pillen, Zäpfchen und Tropfen werden vom menschlichen Organismus aufgenommen. Je nach Medikament und Patient werden bis zu 70 Prozent der Bestandteile über den Urin beziehungsweise über den Stuhl ausgeschieden. Diese Ausscheidungen landen in Deutschland zwar fast gänzlich in den kommunalen Kläranlagen, doch diese sind vielfach nicht in der Lage die verschiedensten Chemikalien tatsächlich zu entfernen. Viele technische Einrichtungen zur Filterung der Abwässer wurden nämlich in einer Zeit gebaut in der man sich dieser Problematik nicht bewusst war. Noch dazu konnte man damals keine derartig genauen Untersuchungen von Wasser durchführen. Heute sieht die Situation aber ganz anders aus. Moderne Analysemethoden erlauben, selbst einen Teelöffel einer Substanz festzustellen, die sich etwa in einem großen Süßwassersee aufgelöst hat. Für Kläranlagen, die für dieses Problem gerüstet sind fehlt jedoch heute das Geld.

Pille als Problem bei Medikamenten im Trinkwasser erkannt

Am besten untersucht scheint die Problematik der Antibabypille. Verschiedenste Untersuchungen, etwa vom Bayerisches Landesamt für Umwelt, haben festgestellt, dass das Östrogen der Pille Auswirkungen auf die Fischbestände hat. Männliche Fische verweichlichen durch das Hormon der Pille und werden quasi unfruchtbar. Da auf beschriebene Weise das Östrogen auch in das Wasser gelangt, sind Auswirkungen auf die menschliche Fruchtbarkeit nicht ausgeschlossen. Zudem beurteilt die EU zwei Inhaltsstoffe der Pille als wassergefährdende Stoffe, die Auswirkungen auf die Wassergüte haben.

Doch Medikamente erreichen auch auf einem anderen Weg das kostbare Trinkwasser. Viele Menschen entsorgen die Reste ihrer Medikamente nicht korrekt, sondern über die WC-Spülung im eigenen Haus. So geraten Schmerzmittel, Medikamente gegen Bluthochdruck, Betablocker, Insulinreste, Antidepressiva, Rheumamittel und Antibiotika in den Wasserkreislauf. Wird kontaminiertes Trinkwasser in größeren Mengen oder über einen längeren Zeitraum konsumiert, sind die Folgen mit der einer falschen Einnahme von Medikamenten vergleichbar.

Medikamente im Trinkwasser erzeugen Resistenzen

Am Beispiel der Antibiotikareste im Trinkwasser bedeutet dies vereinfacht gesagt, dass Keime eine Resistenz entwickeln und verschriebene Arzneien bei Infektionskrankheiten nicht mehr ihre Wirkung entfalten können. Zudem kann es unter Umständen zu einer Schädigung der Darmflora und entsprechenden Folgekrankheiten kommen. Der Konstanzer Umwelttoxikologe Daniel Dietrich vermutet in diesem Zusammenhang, dass Antibiotika im Wasser die Vermehrung von Blaualgen födert. Dies wiederum führe unter Umständen zu den beschriebenen Problemen. Andere Wissenschaftler, wie Wolfgang Kühn vom Technologiezentrum des Wasserfachs in Karlsruhe, sehen die Problematik nicht so dramatisch.

Auch die Auswirkungen einer medizinisch nicht vertretbaren Anwendung von Schmerzmitteln sind hinreichend geklärt. Zwar ist deren Konzentration im Trinkwasser gering, daher ist sich die Wissenschaft diesbezüglich nicht ganz einig, ob sie auch auf diesem Weg für Leberschäden, Bluthochdruck oder Magenschleimhautentzündung verantwortlich gemacht werden können.

Neben Medikamenten auch Drogen im Trinkwasser

Bis jetzt war aber nur von Medikamenten im engeren Sinn die Rede. Es ist aber kein Geheimnis, dass auch Substanzen konsumiert werden, die in Deutschland nicht legal sind. Neben zulässigen Betäubungsmittel, die etwa bei der Behandlung von Tumoren zur Verwendung kommen, finden auch Kokain, LSD, Heroin oder Crystal Speed auf dem oben beschriebenen Weg in die Nahrungskette oder in das Trinkwasser. So gehen Schätzungen, die auf Untersuchungen des Nürnberger Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung beruhen, davon aus, dass etwa 30 bis 50 Kilo reines Kokain über die WC-Spülung ihren Weg in den Rhein finden. Das der Genuss von mit Drogen versetzten Trinkwasser nicht gesund sein kann, versteht sich eigentlich von selbst.

Dieser Artikel wurde von Christoph Fluri-Heckenbücker als Gastautor geschrieben. Christoph Fluri-Heckenbücker ist Experte auf dem Gebiet von Trinkwasser, und betreibt zu diesem Thema einen Blog unter: http://wasser-infos.com
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